Menschenmenge Bahnhof waehrend 9 Euro Ticket an einem Regionalbahnhof Foto Marcus Gebhardt scaled e1671102175325

Behinderte Menschen im ÖPNV bei finanziellen Anstrengungen mitdenken

Bei allen finanziellen Anstrengungen im Mobilitätsbereich müssen die Belange von Menschen mit Behinderungen und Mobilitätseinschränkungen mitgedacht werden, fordert die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL). Im Dezember entscheidet der Bundestag über mehr Geld vom Bund für die Bundesländer. Es mehr Geld im Bereich des ÖPNV und des Schienenpersonennahverkehrs durch sogenannte Regionalisierungsmittel fließen.

Deutschlandticket

Unter anderem geht es dabei um den baulichen Ausbau der öffentlichen Nahverkehre und die Finanzierung eines preisreduzierten Deutschlandtickets.

„Der barrierefreie Ausbau des Nahverkehrs muss endlich beschleunigt werden. Hier hat man sich viel zu lang mit Ausreden und Ausnahmeregelungen beschäftigt, statt Lösungen zu finden und sich an Artikel 20 der UN-Behindertenrechtskonvention zu orientieren. Gerade in Zeiten des 9-Euro-Tickets und dem nun folgenden Deutschlandticket für 49 EURO würden behinderte Menschen noch weiter an den Rand der Gesellschaft gedrängt – vom Recht auf Mobilität keine Spur“, kommentiert Kay Macquarrie, ISL Sprecher für barrierefreien Tourismus die Lage.

Weiter kritisiert Macquarrie, der auch Mitglied in der programmbegleitenden Arbeitsgruppe der DB AG ist: „Es kann nicht sein, dass bisher keine praktikablen Lösungen umgesetzt worden sind. Behinderten Menschen muss die chancengleiche Mitnahme im ÖPNV und SPNV ermöglicht werden, wenn sie es schon zum Bahnsteig geschafft haben. Wenn es einen erneuten Run auf das öffentliche Verkehrssystem geben sollte, dann müssen wirkungsvolle Maßnahmen getroffen werden, um Menschen mit Mobilitätseinschränkungen eine Mitnahme in Bus und Bahn zu garantieren.“

Vom Recht auf Mobilität keine Spur

Die wenigen Abteile für behinderte Menschen müssen freigehalten und es muss mehr Personal an den Bahnsteigen eingesetzt werden, um der systematischen Ausgrenzung Einhalt zu gebieten. Zu Zeiten des 9-Euro-Tickets im Sommer haben viele behinderte Menschen auf teils lebenswichtige Termine verzichten müssen und sind vermehrt freiwillig mit dem teureren Fernverkehr gefahren, nur um den Tumulten am Bahnsteig ausweichen zu können.

Die „Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V. (ISL)“ ist eine menschenrechtsorientierte Selbstvertretungsorganisation und die Dachorganisation der Zentren für Selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen.  ISL wurde nach dem Vorbild der US-amerikanischen „Independent Living Movement“ gegründet, um die Selbstbestimmung behinderter Menschen auch in Deutschland durchzusetzen.

V.i.S.d.P. Alexander Ahrens

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.