Rollstuhlfahrerin an Lift ICE4

Achillesferse: Fahrzeuggebundener Lift im ICE4

Die verbesserte Barrierefreiheit im ICE4 kann man gerne als außergewöhnlich gut beschreiben.

Bis zu 4 Rollstuhlfahrer können gleichzeitig mitfahren

Ein großzügiger Bereich im Inneren des Zuges verfügt über vier Rollstuhlplätze und Sitzplätze für die Begleitpersonen. Die Bahn hat sich viele Gedanken gemacht bezüglich der Barrierefreiheit. Ist man mit dem Flaggschiff der Deutschen Bahn unterwegs, kann es schon vorkommen, dass dieser großzügige Bereich des öfteren auch als Kofferabstellplatz  missbraucht wird.

ICE 4 Großraumanteil für Rollstuhlfahrer
ICE 4 Großraumanteil für Rollstuhlfahrer

Rollitoilette ist größer

Die Behindertentoilette ist eine Verbesserung zum Vergleich der drei Vorgängerversionen. Es steht mehr Platz zur Verfügung, was ein großes Plus bedeutet.
Auch der Gang zu den Rollstuhlplätzen wurde breiter und besser gestaltet.

Die Toilette im ICE4
Die Toilette im ICE4

Da alle ICE’s nicht ebenerdig vom Bahnsteig in den Zug  berollbar sind, ist immer  ein Hublift nötig, um in den Zug zu kommen. Diese Hilfeleistung muss man zuvor bei der Mobilitätsservicezentrale (MSZ) unter der Telefonnummer 0180 6 512512 oder auf der Seite der Bahn online anmelden. Kommt man am Bahnhof an, helfen einem die freundlichen Mitarbeiter mit dem Hublift in den Zug.

Ein Quantensprung in Barrierefreiheit

Einen Quantensprung macht hier der ICE 4, der seit 2017 im Einsatz ist. Er hat eine fahrzeuggebundene Einstiegshilfe, welche vom Bordpersonal bedient wird. Wir als Rollstuhlfahrer sind erfreut über diese Entwicklung. Das hört sich alles toll an, aber die Wirklichkeit zeigt leider ein anderes Bild.

Ich freute mich, als ich 2018 endlich einen IC 4 erwischte, mit dem ich von Göttingen nach Nürnberg fuhr. In Göttingen fragte ich den Bahn Mitarbeiter, der mich zum Bahnsteig begleitete, warum er denn den Hublift aktiviere, da der ICE 4 doch eine fahrzeuggebundene Einstiegshilfe habe? Lapidare Antwort des Bahn Mitarbeiters war, “der wird nicht benutzt.” Ich schaute ungläubig. Der Zug fuhr ein. Ich stand an der Tür mit  der fahrzeuggebundenen Einstiegshilfe, das Bordpersonal kam heraus und bediente den Lift nicht. Ich sagte den Bordpersonal “ich möchte gerne mit den Lift einsteigen.” Mir wurde entgegnet, “wollen Sie wirklich für 20 Minuten Verspätung verantwortlich sein?” Ein wenig verdattert sagte ich “natürlich nicht” und wurde stattdessen mit dem Hublift eingeladen. Ich verstand die Welt nicht mehr … ein neuer Zug, eine tolle Ausstattung, und sie wird nicht benutzt!

Nicht geliftet

Ich fragte bei der Bahn nach, warum denn der neue Lift nicht benutzt wird. Die Antwort lautete, “die Mitarbeiter sind noch nicht alle geschult.” Damals gab ich mich mit der Antwort zufrieden. Ende 2019 war ich von Berlin nach Nürnberg unterwegs mit einem ICE4 und immer noch kam die fahrzeuggebundene Einstiegshilfe nicht zum Einsatz. Ich fragte das Bordpersonal warum sie nicht den Lift benutzen. Zur Antwort bekam ich, die sei sehr kompliziert zu bedienen und vor allem sehr empfindlich und verursache dadurch Verspätungen.

Behindertengerechter Bahnhof Treuchtlingen bei Nacht

Ideal, wo ICE Bahnhof nicht besetzt

Da ich vom Land komme und mein nächster ICE Bahnhof Treuchtlingen ist, finde ich die Lösung mit dem fahrzeuggebundenen Einstiegs Lift optimal für Bahnhöfe, die nicht ständig mit Personal besetzt sind.

Die Bahn hat 180 ICE-Bahnhöfe, so schreibt es Wikipedia. Von den 180 ICE-Bahnhöfen müssen nur 7 Bahnhöfe zwingend mit der fahrzeuggebundenen Einstiegshilfe bedient werden. Und das geschieht nicht immer, das habe ich schon selbst in Nürnberg und Berlin erlebt. Die Konstruktion der Einstiegshilfe ist so kompliziert, dass es eine vernünftige Bedienung fast unmöglich macht.

Hier muss die Bahn dringend ihren Lieferanten, die Siemens Mobility, stärker in die Pflicht nehmen. Wir alle sollen und wollen mehr mit der Bahn fahren, dann muss der Zug auch funktionieren!

Deutschland -Takt in Gefahr

Ein künftiger Deutschland – Takt wird mit dieser Technik zum ad absurdum geführt. Fahrpläne aller Linien sind aufeinander abgestimmt: In Knotenbahnhöfen treffen sich die Züge jede Stunde zur selben Minute. Die Züge halten gemeinsam einige Minuten und ermöglichen einen bequemen Umstieg. Lange Wartezeiten gehören der Vergangenheit an. Dengste, nicht mit diesem Lift!

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