Fahrt mit barrierefreiem Flixbus

Ich war gespannt, wie meine erste Fahrt mit einem barrierefreien Fernbus so ablaufen würde. Ausgesucht habe ich mir den Platzhirsch Flixbus auf dem mittlerweile sehr geschrumpften Markt der Fernbuslinienbetreiber.

Fernlinienbusbetreiber suchen und buchen

Die Fahrt begann im Internet. Nachdem ich mir die Seite von Flixbus aufgerufen hatte, suchte ich mir die Route von Würzburg nach Nürnberg aus. Das Buchungsverfahren lief sehr einfach ab, auch das Bezahlen. Beim normalen Buchungsverfahren wird leider nicht abgefragt, ob man mit einem Rollstuhl unterwegs ist. Auf der Homepage findet man unter Service die Rubrik „Busreisen bei eingeschränkter Mobilität„. Laut Flixbus sollte man seine Fahrt, wenn der Rollstuhl im Kofferraum verstaut werden soll, 36 Stunden zuvor anmelden. Will man reisen wie ich, der nicht auf einen Sitz übersetzen kann und im Rollstuhl transportiert werden muss, schreibt Flixbus 14-7 Tage vor. Man muss sich im Formular „Fahrten mit Deinem Rollstuhl“ anmelden. Ich hatte mich sechs Tage zuvor angemeldet, und es hat funktioniert. Spontanität sieht für mich allerdings anders aus.

Rollstuhlraste am Fernbus
Rollstuhltaster am Fernbus

Der Einstieg in den Bus

In Würzburg, in der Nähe des Hauptbahnhofs, wartete ich an der Haltestelle des Fernlinienbusbetreibers. Der grüne Bus war ziemlich pünktlich. Das änderte sich aber rasch. Der sehr freundliche Busfahrer hatte vor ca. einem Jahr eine Kurzschulung für die Besonderheiten des Liftes erhalten. Ich war sein erster Rollstuhlfahrer, den er überhaupt beförderte. Da der Busfahrer logischerweise keine Übung mit dem Lift haben konnte dauerte es einige Zeit, bis die Schwierigkeiten überwunden waren.
Danach schob der Busfahrer, damit ich einsteigen konnte, die Sitze aus dem Weg. Beim Hochliften in den Bus machte der Lift auf mich einen sicheren und stabilen Eindruck. Im Bus wurden mein Rollstuhl und ich sicher fixiert, und die Reise ging mit einer halbstündigen Verspätung los.

Einstieg mit Lift in den Flixbus
Einstieg mit Lift in den Flixbus

Während der Fahrt

Wir fuhren aus Würzburg heraus auf die A3 in Richtung Nürnberg. Erwartet hatte ich eine ruckelige Fahrt, das Gegenteil war der Fall. Die Fahrt konnte ich genießen, nur mein Handy wollte sich nicht mit dem Bus Wifi verbinden lassen. Daddeln konnte ich trotzdem. In Erlangen gab es einen kurzen Zwischenstopp auf dem Busbahnhof, da zwei Personen ausstiegen. Das dauerte keine 5 Minuten, und die Fahrt ging weiter.

Der Ausstieg

Mit einer halbstündigen Verspätung kamen wir am Nürnberger ZOB an. Dort standen schon mehrere Fernbusse, und wir hatten das gleiche Spiel wie beim Einstieg. Der Lift wollte nicht herausfahren usw. Auch die 5-6 Busfahrer am ZOB hatten noch nie einen Rollstuhlfahrer im Bus mitgenommen, daher wurde mein Ausstieg aus dem Bus wie eine kleine Attraktion verfolgt.

Mein Resümee

Die Aussage der Busfahrer machte mich nachdenklich. Wir behinderte Menschen wollen und sollen mobil sein. Hier gibt es ein neues Angebot zur Teilhabe, Das sollten wir nutzen und nicht gleich jammern, weil vielleicht nicht alles sofort funktioniert. Wer kann sollte das Angebot annehmen. Wenn nicht gleich alles gut funktioniert, sollte der Betreffende mit dem Betreiber in Kontakt treten und reklamieren, wenn nötig! Ich möchte jeden ermutigen, der auf den Rollstuhl angewiesen ist, den  Fernbus auszuprobieren!
Das ist bei der Bahn nicht anders, auch da funktioniert noch immer nicht alles.  Meine Fahrt mit dem Fernbus kostete 4,99 € inklusive Begleitperson, da diese frei ist.

Du hast damit Probleme – hier findest Du die Problemlöser

Wenn mal was nicht klappt oder Du unsicher bist, dann wende Dich an den Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter (BSK), der beschäftigt sich schon seit 2013 mit den barrierefreien Fernbussen und hat auch gute Kontakte zu den Betreibern.
Die Fernlinienbusse sind eine günstige Alternative zum Auto oder der Bahn. Seit Januar 2020 muss die gesamte Flotte barrierefrei und somit für alle Menschen zugänglich und nutzbar sein.
Der BSK hat sich von Beginn an dafür eingesetzt, dass in Fernlinienbussen mindestens zwei Plätze für Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, vorhanden sind.
Wendet Euch bei Fragen, Problemen oder Anregungen an die „Meldestelle für barrierefreie Fernlinienbusse“ beim BSK. Die Meldestelle hilft Euch gerne weiter: www.barrierefreifueralle.de (dort unter „Barrierefreie Mobilität“) oder telefonisch: Tel.: 030 814 5268-51 und E-Mail: meldestelle@bsk-ev.org

 
 

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