Rollifahrer und MS Brombachsee

Aufwärtstrend im barrierefreien Tourismus in Deutschland

Erfurt, 8. März 2018 (tpr) – Strandrollstühle mit dicken Ballonreifen, Tandemtouren für blinde Radfahrer und Führungen in Gebärdensprache: Immer mehr Reiseregionen in Deutschland haben erkannt, wie wichtig Angebote für Menschen mit Behinderungen, Senioren oder Familien mit kleinen Kindern sind. Vorreiter im barrierefreien Tourismus sind die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Barrierefreie Reiseziele in Deutschland (AG), die sich bereits seit zehn Jahren auf diesem Gebiet engagieren, schreibt die AG in Ihre Pressemitteilung vom 08.03.2018.
Mit Erfolg. Die AG ist seit 2008 von sechs auf heute zehn Mitglieder angewachsen. Zahlreiche Projekte wie der gemeinsame Internetauftritt, eine Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn und der Deutschen Zentrale für Tourismus sowie übergreifende Marketingaktivitäten wurden realisiert.

Schwimmeder Rollstuhl am Brombachsee

Gründung der AG Barrierefreie Reiseziele

Als sich die Stadt Erfurt, die Insel Langeoog und die Regionen Eifel, Fränkisches Seenland, Ruppiner Seenland und Sächsische Schweiz zur Internationalen Tourismusbörse im März 2008 zusammenschlossen, um die Arbeitsgemeinschaft Barrierefreie Reiseziele zu gründen, steckte barrierefreier Tourismus in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Eine Studie des Bundeswirtschaftsministeriums, für welche die Gründungsmitglieder befragt wurden, kam damals zu dem Schluss, dass „barrierefreier Tourismus für Alle häufig immer noch als Sonderthema im Sinne eines ‚Behindertentourismus‘ mit dem Schwerpunkt ‚Rollstuhlfahrer‘ angebotsseitig entwickelt und vermarktet wird“. Es fehle an „strategischem ‚Know-how-Transfer‘, der es ermöglichen könnte, überregional oder sogar international von Erfahrungen anderer Destinationen zu profitieren.“

Mittlerweile hat die AG ein Netzwerk zum Austausch der Erfahrungen und Angebote unterschiedlicher Regionen und Städte im barrierefreien Tourismus. Zu den Gründungsmitgliedern sind die Städte Rostock und Magdeburg sowie die Regionen Lausitzer Seenland und Südliche Weinstraße hinzugekommen. Dem Gründungsmitglied Insel Langeoog folgte die ganze Region Ostfriesland. „Der regelmäßige Erfahrungsaustausch der Mitglieder liegt uns besonders am Herzen, um Potentiale zu erkennen und gemeinsam neue Ideen zu entwickeln“, sagt Dr. Carmen Hildebrandt, Sprecherin der AG und Geschäftsführerin der Erfurt Tourismus und Marketing GmbH. „Unser Ziel ist es, die Reisemöglichkeiten in den Regionen und in Deutschland für Menschen mit Behinderungen kontinuierlich zu erweitern und deren Sichtbarkeit zu erhöhen.“

Bei den touristischen Anbietern in den Destinationen ist das Bewusstsein für das Thema deutlich gestiegen. „2008 waren nur wenige Betriebe und Einrichtungen im Ruppiner Seenland in Bezug auf Barrierefreiheit erhoben – heute sind es knapp 150“, erklärt Peter Krause, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Ruppiner Seenland. Ähnliche positive Entwicklungen können auch die anderen Gründungsmitglieder bestätigen.

Zu den Meilensteinen seit der Gründung zählen barrierefreie Zugänge zu den Seen und zum Meer im Lausitzer, Ruppiner und im Fränkischen Seenland sowie in Rostock und Ostfriesland. Auf den barrierefreien Ausbau von Museen und Sehenswürdigkeiten sowie die Broschüren „Reiseplaner – Erfurt erlebbar für alle“ und „otto für alle“ mit barrierefreien Tourismusangeboten sind Erfurt und Magdeburg stolz. Die Eifel konnte den barrierefreien Naturerlebnisraum Wilder Kermeter und den Naturerkundungspfad Wilder Weg realisieren, die Sächsische Schweiz ihr Angebot an barrierefreien Unterkünften ausbauen und die Südliche Weinstraße das Projekt „Pfälzer Feste für Alle“ umsetzen. Zu den Erfolgen der Regionen gehören zudem die Auszeichnungen mit dem Award „Tourismus für Alle“ der Deutschen Bahn für die Nationalparkregion Eifel (2016, 2014), das Ruppiner Seenland (2016) und Ostfriesland (2014).

Barrierefreies Seenland

Mit dem Handbike um den Brombachsee

Für das laufende Jahr planen die Mitglieder die barrierefreie touristische Infrastruktur weiter auszubauen, zum Beispiel durch die Auflage neuer Broschüren zum Thema barrierefreier Urlaub oder der Zertifizierung nach dem Kennzeichnungssystem „Reisen für Alle“. Der Tourismusverband Fränkisches Seenland hat sein Jahresthema unter das Motto „Barrierefreies Seenland“ gestellt, Ostfriesland trifft Vorbereitungen zur Zertifizierung als barrierefreie Reiseregion. Und auch für die nahe Zukunft liegen die Pläne schon auf dem Tisch: unter anderem der Ausbau barrierefreier Wander- und Radwege, die Verbesserung des Öffentlichen Nahverkehrs sowie die Vernetzung der Angebote.

„Die gesellschaftlichen Herausforderungen des neuen Jahrhunderts zwingen jeden von uns zum Umdenken. Wir wünschen uns, dass es im Tourismus selbstverständlich wird, an Menschen mit Behinderungen, Senioren und Familien mit kleinen Kindern zu denken, eben an ‚Reisen für Alle‘, sagt Carmen Hildebrandt. „Über neue Mitglieder freuen wir uns.“

Webseite der Arbeitsgemeinschaft Barrierefreie Reiseziele

www.barrierefreie-reiseziele.de

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